Leserbrief – GNZ am 20.05.2026

Leserbrief wurde im Wortlaut am 20.05.2026 in der GNZ veröffentlicht – hier der originale Text.

– Mai 2026 –

In den vergangenen Wochen ist in Birstein eine Form der politischen Kommunikation zu beobachten, die in dieser Zuspitzung neu ist. Der jüngste Artikel zur Haushaltslage zeigt dies deutlich: Medien werden zunehmend genutzt, um Stimmungen zu erzeugen, statt um Zusammenhänge einzuordnen. Das ist bedenklich – nicht wegen der Inhalte, sondern wegen der Art und Weise, wie sie präsentiert werden.

Es kann nicht sein, dass bekannte Fakten plötzlich als neue Erkenntnisse dargestellt werden oder dass Maßnahmen, die längst beauftragt wurden, als eigene Initiativen ausgegeben werden. Eine solche Darstellung verzerrt die Realität und trägt nicht zu einer konstruktiven politischen Kultur bei. Hier sollte die Kirche im Dorf gelassen werden: Keine Polemik, kein Fingerzeigen, sondern ehrliche Zusammenarbeit.

Stattdessen entsteht der Eindruck, dass politische Gräben bewusst vertieft werden. Einzelne Akteure inszenieren sich als diejenigen, die Missstände erstmals erkannt hätten – obwohl viele dieser Punkte seit Langem von unterschiedlichen Seiten angesprochen und kritisch begleitet werden. Diese Form der Selbstzuschreibung ist eine neue Qualität in der Gemeindepolitik, und mit dieser Entwicklung bin ich nicht einverstanden.

Dabei sind viele der angesprochenen Themen berechtigt, und viele Kritikpunkte treffen zu. Gerade deshalb wäre es wichtig, auf Plakatismus, Stimmungsmache und das Schmücken mit den Federn anderer zu verzichten. Birstein steht vor großen Herausforderungen: Finanzen, Infrastruktur, Zukunftsprojekte. Diese Aufgaben lassen sich nur gemeinsam bewältigen – mit Sachlichkeit, Respekt und dem Willen zur Zusammenarbeit.

Politik in einer Gemeinde ist kein Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Sie ist ein gemeinsamer Auftrag. Und diesem Auftrag wird man nur gerecht, wenn man Verantwortung übernimmt – nicht nur in der Sache, sondern auch in der Art, wie man darüber spricht.


Hier der Artikel in der GNZ vom 20.05.2026: